Gewaltprävention an der Verbundschule Gewalt und Zivilcourage standen im Mittelpunkt

Gewalt unter Kindern und Jugendlichen an Schulen sorgt nicht erst seit den tragischen Ereignissen z.B. in Erfurt für Diskussionen. Aggressionen und Gewalttätigkeiten innerhalb der Schule, der Klasse, auf dem Pausenhof, den Fluren oder auf dem Schulweg gehören oft zu Alltagserfahrungen junger Menschen. Gewalt kann sich dabei sehr unterschiedlich darstellen-als verbale Anmache, als Schubserei oder körperliche Misshandlungen im gesamten Schulumfeld oder als Drohung, dass nach Schulschluss demjenigen etwas angetan wird.
In Zusammenarbeit mit Trainern der polizeilichen Kriminalprävention der Bundespolizei sowie der Schulsozialarbeit beschäftigten sich diese Woche alle 7. Klässler mit dem Thema „Gewalt“ und „Zivilcourage“.
Was kann ich tun, wenn ich selbst Opfer werde oder wie kann ich anderen helfen, wenn ich beobachte, wie ein anderer zum Opfer wird.


Thomas Schlageter von der Bundespolizei versteht es dabei wie kein anderer, mit einem kognitiven Einstieg alle Teilnehmer sofort für dieses Thema zu sensibilisieren. Anhand von interaktiven Rollenspielen weckt er zuerst das Interesse der Teilnehmer mit dem Ziel, Kompetenzen wie Konfliktfähigkeit, Empathie und emotionale Sensibilität zu fördern.
Da steht Nikita am Bahnhof und wird von einem fremden Mann „angemacht“. Wie kann sie sich wehren, wie können Zuschauende ihr helfen ohne den Konflikt noch zu verschärfen? „Weglaufen ist eine Option, denn die Jugendlichen sind oft schneller als Erwachsene“. Gelingt dies nicht, so empfiehlt der Fachmann lautes Schreien z.B. „Lassen Sie mich in Ruhe“. So wird sie zum einen besser gehört, zum anderen ist für Zuschauende durch das „Sie“ sicher, dass es sich nicht um einen familiären Zwist handelt, sondern Hilfe angesagt ist.


An einem weiteren Beispiel zeigt ein Rollenspiel eine Szene, die sich durchaus auf dem Pausenhof abspielen kann. Ein Schüler wird von einem anderen gewalttätig angegriffen. Er kann sich nicht wehren und ist den Drohungen und eventuell Schlägen seines Widersachers ausgesetzt.Mit einem Vergleich aus dem Tierleben zeigt Schlageter einen Ausweg aus der Misere. Mitbeobachter schließen einen Kreis um den Angegriffenen und hindern den Angreifer ab seiner Attacke, ähnlich wie in einer Büffelherde, die seine Schwächsten in die Mitte nimmt und dadurch schützt.
So geht es Thomas Schlageter hauptsächlich darum, seinen Teilnehmern einen „Werkzeugkasten“ mit vielfältigen Werkzeugen für Konfliktsituationen mitzugeben: Darin können enthalten sein: eine laute Stimme beim Angriff, Mut, Zivilcourage, Bauchgefühl, Selbstsicherheit und ein Nachdenken, wie gehe ich mit meiner Angst um ?
Die Polizeibeamten werden nach ca. vier Wochen erneut die unterrichteten Schulklassen im Rahmen einer „Feedback-Veranstaltung“ besuchen und die vermittelten Techniken reflektieren, überprüfen und eventuell nachhaltig festigen.