Kunstausstellung der 10. Klassen in der Realschule am Mauracher Berg in Denzlingen, 7.11.2018

Sehr geehrte Damen und Herrn, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen

Provokant lautet das Thema der diesjährigen Kunstausstellung von Schülerinnen und Schülern der der 10. Klassen. Provokation ( lat. provocare ‚hervorrufen‘,‚herausfordern‘) ist in unserer Gesellschaft ein Begriff, den man zumeist mit einem negativen und unsozialen Verhalten verbindet. Ein Provokateur verletzt zumeist bewusst gesellschaftliche Regeln und Normen und fordert eine Gegenreaktion heraus.

Auch in der Kunst hat das Motiv der Provokation eine lange Geschichte. Künstler, dies ich nicht normgerecht verhalten oder Tabubrüche vollzogen haben, sind oft nachhaltig in Erinnerung geblieben und haben gesellschaftliche  Diskussionen angeregt und Veränderungen erreicht. Nicht zuletzt ist die provokative Bildzerstörung durch Banksy in jüngster Zeit heftig diskutiert worden.

Inder heutigen Ausstellung ist das Leitmotiv „Provokant“ in äußerst vielschichtiger Weise von den Schülerinnen und Schülern der 10.Klassen aufgegriffen worden.Manche haben sich gewissermaßen dokumentarisch einer Vielzahl von Provokationen angenommen, die in unserer heutigen Gesellschaft sichtbar sind und die Menschen bewegen. Indem sie diese sozialen und moralischen Missstände in Bildern,Modellen oder Installationen darstellen, regen sie den Betrachter an, Stellung zu beziehen und über Lösungen nachzudenken.

Die bewusste Verletzung der Privatsphäre durch Drohnen, die zur eklatante Schaustellung von Reichtum, der Egoismus bei der Wahl des besten Pizzastücks, die absichtliche Leistungsverweigerung in der Schule, die überhebliche Selbstinszenierung eines Fußballidols, die verzweifelte Selbstverletzung durch Ritzen, politische Provokation, Gewalt und Unterdrückung. Das sind nur einige der gezeigten bewussten oder unbewussten Provokationen, die in bedrückender Weise zu unserem Alltag gehören. Indem uns die Kunst in der heutigen Ausstellung diese Verhaltensweisen teilweise in drastischen Werken vor Augen führt, appellieren die Künstlerinnen und Künstler dazu, sich gegen diese Trends zu stellen und für die sozialen Werte einer gerechten Gesellschaft einzusetzen.

Andere Kunstwerke provozieren als solche: Das Modell einer Tötungsmaschine für Küken,der Molotowcocktail mit dem zynischen Label „Willkommenskultur“ oder Menschenfleisch als reine Ware. 

Provokation kann auch Selbstzweck werden. Das zeigt die Arbeit mit den sich konfrontierenden Mittelfingern. Dann handelt es sich um eine reine Demonstration von Macht und wird vom Künstler sinngerecht als Einbahnstraße kommentiert.Provokation hat ihren Platz innerhalb einer demokratischen Gesellschaft als nachdrücklicher und bewusster Gedankenanstoß.

Die Vielschichtigkeit des Themas und seine Aktualität sind im Verlauf des künstlerischen Prozesses allen Beteiligten immer klarer geworden. Eine Provokation sichtbar machen oder selbst provokant zu sein, diese Grundentscheidung musste jeder selbst fällen. Dabei dient die Provokation dazu,den Betrachter für einen Missstand zu sensibilisieren, ihn vielleicht auch zu schockieren. Erst so kommt eine Entwicklung in Gang, wird eine Diskussion ausgelöst, werden Ideen und Lösungen zu problematischen Themen angestrebt.

Jeder der jungen Künstlerinnen und Künstler war aufgefordert, sich selbst ein Thema und eine passende künstlerische Technik zu suchen. Je nach persönlichem Blickwinkel und biografischem Hintergrund sind so vielfältige Bereiche unserer Gesellschaft durchleuchtet worden.Die Unvorhersehbarkeit eines solchen Projektes macht es auch für uns Kunstlehrerinnen und -lehrer sehr spannend, den kreativen Prozess zu begleiten. Materialtechnische Fragen mussten gelöst werden, gestalterische Alternativen wurden diskutiert, während der Ausstellungstermin näher rückte.

Liebe Künstlerinnen und Künstler der 10. Klassen, dies ist eure Ausstellung und ein Ausrufzeichen eurer Kreativität! Ihr habt Thematik zu eurer eigenen gemacht und sie eindrucksvoll zur Darstellung gebracht. Wir möchten euch für die  vertrauensvolle Zusammenarbeit Dank sagen, denn ihr beweist mit euren Werken einen reflektierten und kritischen Blick auf unsere Welt. Provokation ist der Anfang, die gemeinsame Suche nach Lösungen der Weg. Und diesen Zweck verfolgt die heutige Ausstellung: Irritiert oder schockiert zu sein, ins Gespräch zukommen, nachzudenken und das globale Motiv This world has to change im eigenen Umfeld zu verwirklichen.

Liebe Besucherinnen und Besucher, nehmen Sie sich Zeit, erkunden Sie die Werke. Manche sind eindeutig, andere wollen entdeckt und gedeutet werden.

Euch, liebe Schülerinnen und Schüler möchte ich beglückwünschen zu den hervorragenden Arbeiten, die die diesjährige Ausstellung in besonderem Maße sehenswert machen.Es wird auch für euch spannend sein zu sehen, wie sich eure Mitschüler von der Realschule mit den Werken auseinandersetzen, sich wundern, Fragen stellen,Anerkennung zeigen.

Der Applaus des heutigen Abends gebührt euch.

Franz Schuck, Denzlingen 7.11.2018