Standpunkte – Kunstausstellung der 10. Klassen (update)

Auch in diesem Jahr haben die Kunstlehrer einen Rahmen geschaffen, um die Arbeiten der 10. Klässler gebührend zu würdigen.

Die Eröffnung der Ausstellung am 15.11.17 beginnt um 18 Uhr im Foyer vor dem Rektorat der Realschule. Es werden Arbeiten von Schülern der 10. Klassen gezeigt und ausgestellt. Die Künstler selbst werden anwesend sein und für Fragen bereitstehen.

Der Eintritt ist frei.

 

Die eröffnenden Worte von Franz Schuck im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herrn, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen

Standpunkte lautet das Thema der diesjährigen Kunstausstellung von Schülerinnen und Schülern der der 10. Klassen.

Im letzten halben Jahr haben die Schüler sich dazu anregen lassen, einen geeigneten künstlerischen Ausdruck zu finden, in dem ein persönlicher Standpunkt sichtbar wird. Sei es in Form einer Zeichnung, als Gemälde, Objekt, Collage oder als Installation.

Kunst bietet mit ihren vielfältigen Gestaltungstechniken an, Erfahrungen und Ideen zu visualisieren, Vorstellungen, die uns die jungen Künstlerinnen heute Abend in ihrer ganzen Vielfalt zeigen. Erstaunlich sind die Ergebnisse allemal. Manche wollen ergründet werden, verlangen die Auseinandersetzung, die persönliche Deutung. Manche Werke erzählen Geschichten oder verarbeiten biographische Standpunkte, andere fassen das Thema der Standpunkte buchstäblich als Ortsbezeichnung auf.

Im Grunde kann ein Standpunkt also zweierlei bedeuten:

Es kann der Standort gemeint sein oder eine persönliche Meinung zu einem gegebenen Sachverhalt. Eine Erkenntnis, abhängig von der jeweiligen Perspektive, dem Blickwinkel.

Wo befinde ich mich gerade? Was beschäftigt mich? Welche Haltung nehme ich ein?

Die Frage nach dem Standort haben viele der Künstlerinnen im Stile eines Google-Maps Bild gestaltet. Eine objektive Bestimmung. Dabei reicht die Darstellung vom dörflichen Umfeld bis zur globalen Verortung.  Der räumliche Standort verweist gleichsam auf einen gedanklichen Standpunkt: Ob man sich auf einer winzigen Insel, einem Berggipfel, vor einem Abgrund befindet, auf einer Brücke oder vor einer Wegkreuzung wartet. Die räumlichen Gegebenheiten sind stets symbolisch aufgeladen mit Gefühlen des Glücks, der unmittelbaren Gefahr oder der Unsicherheit.

Mancher Standpunkt ist gefährlich: Man hängt an einem dünnen Seil über einem drohenden Abgrund, steht auf einer wackeligen Kiste, die Schlinge schon um den Hals. Momente können entscheiden. Ein Standpunkt kann riskant sein, kann einen Menschen einsam werden lassen. Von Dämonen umgeben, vielleicht blind für einen Ausweg. Vielleicht stehe ich vor dunklen Häusern vor verschlossenen Türen oder studiere einen Wegweiser, der mich zu Entscheidungen zwingt. Der Standpunkt ist hier kein Schlusspunkt, sondern vielmehr die Erkenntnis, dass ich die Verantwortung für den weiteren Weg selbst annehmen muss. Eine Litfaßsäule zwingt mich zur umrundenden Bewegung, sonst werde ich nicht alle Wahlmöglichkeiten kennenlernen. Ein Standpunkt will gewählt und begründet sein.

Einige der ausgestellten Werke zeigen verschiedene Standpunkte, vielleicht auch Stationen. Der biographische Lebensweg, von der Geburt, über die Kindheit, die Schule, hin zur Selbstständigkeit. Dazu gehören Entscheidung: Welchen Weg wähle ich an der Kreuzung, welchen Beruf will ich ergreifen. Die Schülerinnen und Schüler, deren Werke wir heute würdigen sind in einem Alter, in dem ihnen viel abverlangt wird. Entscheidungen für die Zukunft sind mitunter von Sorgen begleitet. Vielleicht empfindet manch einer seinen Standpunkt wie der Blick auf den Ausschlag des Tachos eines Motorrads bei Tempo 299.

Auch Momente des Glücks werden dargestellt. Der Berggipfel ist endlich erreicht. Der Blick fällt zurück auf den mühevollen gefährlichen Aufstieg, an dessen Ende ein Augenblick der Erfüllung steht: Mit dem Einrad an majestätischen Berggipfeln vorrüberzufahren, etwas Unvergessliches zu erleben, vielleicht die Liebe des Lebens.

Standpunkte ist eine sehr persönliche Ausstellung geworden. Es erfordert Mut und Vertrauen, sich in der Öffentlichkeit in dieser Art zu präsentieren. Wir sehen als Betrachter eine Tiefe und Ernsthaftigkeit, die nicht selbstverständlich ist und werden in den kommenden Wochen eure Werke würdigen.

Auch Appelle, sich mit Themen unserer Zeit auseinanderzusetzen sind zu sehen: Gegen Rassismus und Diskriminierung, gegen Umweltzerstörung und Krieg Stellung zu beziehen, eine Meinung zu vertreten, auch wenn es nicht immer und überall erwünscht ist. Vielleicht kann Sisyphus, der in einer der ausgestellten Werke auftaucht, unser Vorbild sein, der griechische Held, der als göttliche Strafe einen Stein ein Berg hinaufwälzen muss, der kurz vor dem Gipfel stets aufs Neue wieder ins Tal zurückrollt. Der Kampf um einen Standpunkt ist erfüllend, obwohl er uns immer wieder auf Neue herausfordert.

Diese einführenden Worte verstehen sich nur als Impulse, die Kunstwerke zwar in ihrer Verschiedenheit, doch zugleich als Teil des großen Themas Standpunkt zu deuten. Dazu möchte ich Sie nun ganz herzlich einladen.

Euch, liebe Schülerinnen und Schüler, möchten wir, als eure Kunsterzieher und Wegbegleiter eurer Arbeit, ganz herzlich danken, dass ihr, jeder auf seine Weise, mit eurer Kunst diese Ausstellung möglich gemacht habt. Ich wünsche euch, dass die Kunst euch im Leben helfen kann, eure Standpunkte auszudrücken, wenn Worte nicht genügen.

Der Applaus des heutigen Abends gebührt euch.

Franz Schuck,  Denzlingen 15.11.2017